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Die verborgene Harmonie

Die verborgene Harmonie

  

Lausche dem tonlosen Ton!

Antje Nagula

Harmonie ist ein Begriff, der mir als Sternzeichen Waage durchaus sehr angenehm ist. Und dennoch lässt ein Zuviel von Harmonie stets meine Alarmglocken schrillen, weil sich eine meiner beiden Waagschalen dann zu senken beginnt – und damit das ganze Gefüge in eine Schieflage gerät. Jede Schieflage erfordert jedoch eine Bewegung hin zum Ausgleich. Und wenn diese Bewegung nicht mit genügend vorsichtiger Spannung geschieht, saust schon bald die andere Waagschale in die entgegengesetzte Schieflage, die noch weniger angenehm ist, denn sie enthält Konflikt und Disharmonie. 

Leben ist Bewegung

Ist in diesem ewigen Auf und Ab des Lebens etwa ein System erkennbar, eine „verborgene Harmonie“ zu erlauschen? Warum können wir es uns in der durch Fülle gesenkten, harmonisch „hellen“ Waagschale nicht einfach gemütlich machen und es dann dabei belassen? Ganz einfach: Weil Leben Bewegung ist! Jedem Ausatmen folgt unweigerlich ein Einatmen und wenn es das nicht mehr tut, sind wir tot. Jeder Nacht folgt ein neuer Tag, jedem Sommer ein Winter, nach der Ebbe kommt die Flut und nach jedem Regen scheint irgendwann wieder die Sonne – wenn es das einmal nicht mehr tut, wird unsere Erde nicht mehr sein. Leben ist Bewegung – und wer sich nicht selbst bewegt, der WIRD eben bewegt! Global gesehen, hatte sich die westliche Welt bisher in einer der Waagschalen ein gemütliches Leben in Saus und Braus eingerichtet. Und wir alle erleben gerade, wie wir in einer gewaltigen Bewegung aus dieser Waagschale herauskatapultiert werden, weil ein anderer Teil der Welt nicht länger in seiner Schieflage verharren will. Entweder wir bewegen uns jetzt in unserer gemütlichen Sicherheit und sorgen für gerechten Ausgleich – oder wir werden bald eine Schieflage von der anderen Seite her erleben, was sicherlich keiner hier möchte!

Jene Harmonie, nach der wir uns alle sehnen, würde ich als „Gleichklang“ bezeichnen, als ein ausgeglichenes Verhältnis der Kräfte, beide Waagschalen in einer horizontalen Lage. Aber wer schon jemals eine dieser empfindlichen, mechanischen Waagen bedient hat, der weiß, wie unendlich schwer dieser Zustand herzustellen ist, denn jeder noch so kleine Impuls ruft schon wieder einen Ausschlag in eine Richtung hervor. Der entscheidende Punkt an diesem Instrument ist das berühmte „Zünglein“ an der Waage, und dieses Zünglein heißt „Spannung“! 

Der „tonlose Ton“ im „Gewebe des Seins“

Stellen Sie sich dieses Auf und Ab jetzt einmal grafisch vor in Form  einer Welle: der Wellenberg hebt sich, die Welle bricht am höchsten Punkt und stürzt sich hinab in ein Tal, bevor sie sich am tiefsten  Punkt wieder sanft bricht und die Aufwärtsbewegung erneut einsetzt (Abb. 1)Abb. 1 Der Ton – und das Spiel von vorne beginnt. Und dann spiegeln Sie einmal per gedachten Mausklick ihre visuelle Welle ins Gegenteil und schieben sie über die schon bestehende Welle (Abb. 2)Abb. 2 Gegengleich. Interessant, was dann geschieht: Es treten auf einmal exakte Schnittpunkte zu Tage! Momente, in denen weder eine Aufwärts- noch eine Abwärtsbewegung erkennbar ist. Verbindet man diese Punkte gedanklich miteinander, entsteht eine geheimnisvolle, weil ansonsten unsichtbare Linie: der „tonlose Ton“, der jeder Wellenbewegung als Konstante innewohnt (Abb. 3)Abb. 3 Der tonlose Ton. Diese Wellenbewegung finden wir wieder in der „Blume des Lebens“, die  auch als das „Gewebe des Seins“ bezeichnet wird. Und wenn Sie diese „Blume“ einmal genau betrachten, dann sehen Sie, dass diese Blume aus nichts anderem als Wellenbewegungen besteht, die sich gegenseitig durchdringen! Wellenbewegungen als Symbol für den Ton und sein allgegenwärtiges Wirken. Denn unser ganzes Sein wird vom Ton durchdrungen und seine Spur findet sich in jeglichem Leben! 

Die Obertöne

Den Begriff „Harmonie“ kennen wir auch in erster Linie aus der Musik. Dort gibt es die harmonikalen Gesetze und sie entspringen der Obertonreihe. Jeder natürlich erzeugte, also lebendige Ton ist nämlich als Ganzes nur die Summe aller seiner Bestandteile – der Obertöne. Deswegen heißt es auch in jenem berühmten Heraklit-Fragment zu diesem Thema „Die verborgene Harmonie ist mächtiger als die offensichtliche“, denn wir hören im Außen nur einen einzelnen Ton. Doch im Verborgenen, normalerweise Unhörbaren dehnt sich auf diesem Ton die unendliche Fülle seiner Obertöne ins Grenzenlose und bildet so einen gewaltigen, unsichtbaren „Dom“ aus verborgener Musik! Wenn Sie einmal genau in einen einzelnen Ton hineinhorchen – was Ihnen am einfachsten anhand einer Klangschale gelingt – können Sie seine Obertöne wahrnehmen: Zunächst die „angenehmen“, also harmonischen Intervalle der Oktave, dann die Quinte, wieder eine Oktave, danach Terz und Quart. Erst wenn Sie noch tiefer in das Horchen und heimliche Erlauschen der Obertöne einsteigen, finden sich auch die nach unserem herkömmlichen Musikverständnis als „unharmonisch“ bezeichneten Intervalle von Sekunde, Septime und Tritonus. Und verblüfft stellen wir fest: Auch hier findet eine Art der Wellenbewegung statt. Zuerst bilden die „lichtvollen“ von uns als angenehm empfundenen harmonischen Intervalle einen „Wellenberg“, gefolgt von einem als eher unangenehm empfundenen „Wellental“ der disharmonischen Intervalle. Jedoch: Nur die SUMME ALLER bildet das Ganze eines einzelnen Tons, den wir mit unserem äußeren Ohr als den „offensichtlichen“ Grundton hören. Aber seien Sie nicht traurig, wenn Sie Ihrer Klangschale vielleicht nicht so viele Bestandteile der Obertonreihe „ablauschen“ können, denn das erfordert ein sehr feines Gehör und vor allem ein tiefes musikalisches Empfinden für diese Zusammenhänge. Doch auch wenn unser Gehörapparat nicht empfindlich genug ist, um die Aufspaltung des hörbaren Tons in seine am nächsten liegenden, feinen Bestandteile wahrnehmen zu können – sind sie dennoch in ihm enthalten und schwingen bis in eine für uns unvorstellbare Unendlichkeit fort! 

Harmonie durch Vereinigung der Gegensätze

Leider neigen wir dazu, die angenehmen, „harmonischen“ Begebenheiten des Lebens als wichtiger und erstrebenswerter zu erachten als die „disharmonischen“. Und gerade die sind es aber, die wir durchlaufen müssen um weitere Ausdehnung, sprich Wachstum zu erfahren. Auch die Wellentäler wollen durchschritten werden! Ist das wieder einmal geschafft, landen wir für eine kurze Zeit auf jenem „Nullpunkt“ der Ruhe, an dem ein Moment des Ausgleichs zwischen den Gegensätzen stattfindet – bevor die unendliche Reise in die Wellen des Auf und Ab erneut ihren Anfang nimmt. 

Diese geheimnisvollen „Ruhepunkte“ wollen wir nun einmal unter die Lupe nehmen. Bildlich betrachtet ist dies eine Waage, bei der keine der beiden Schalen sich neigt, sondern vollkommene Ausgeglichenheit zwischen beiden Gewichten besteht. Diesem sehr erstrebenswerten Zustand wohnt eine Form von angenehmer Grundspannung inne, die wir als äußerst harmonisch empfinden: Kein Zuviel oder Zuwenig, sondern von allem ausreichend. Rein physisch gesehen können Sie diesen Punkt erleben, in dem Sie zwei gleich schwere Gewichte einmal jeweils rechts und links in die Hand nehmen. Sie werden feststellen, dass es sich damit viel leichter geht, als wenn Sie nur eine schwere Last in einer Hand tragen. 

Auch im unablässigen Auf und Ab des Lebens sollte sich immer mehr ein stabiles Gleichgewicht in unserer Mitte heraus kristallisieren. Und je öfter wir es wagen, mit Bewusstheit die Reise des Auf und Ab zu durchlaufen, desto öfter werden wir diesen wunderbaren Zustand von Stabilität dazwischen spüren. Heraklit formuliert es so: „Erst durch dauernden Wechsel kommen die Dinge zur Ruhe“. Denn erst wenn wir viele dieser „Ruhepunkte“ in Folge erlebt haben, können wir sie als wiederkehrende Konstante in unserem Leben erkennen und in angenehmer Gespanntheit nach jenem geheimnisvollen Ton lauschen, den der Kulturphilosoph und Schriftsteller Friedrich Schlegel so wunderbar beschreibt:  

„Durch alle Töne tönet

im bunten Erdenraum

ein leiser Ton, gezogen

für den, der heimlich lauschet.“

Der Sufimeister Hazrat Inayat Khan geht darüber sogar noch hinaus: „Je mehr ein Sufi dem Ton des Abstrakten lauscht, desto mehr wird sein Bewusstsein von allen Begrenzungen des Lebens befreit. Die Seele schwebt in Ruhe und Frieden über dem physischen, wie auch über dem geistigen Plan …“ 

Mit den „Begrenzungen des Lebens“ sind hier die ewigen Wellenberge und -täler gemeint, die ein in der Mitte ruhendes Bewusstsein immer weniger als „Unruhestifter“ wahrnimmt und diese irgendwann sogar ganz in sich selbst zu integrieren vermag. Dann liegt laut Heraklit „Harmonie im Widerstreit“. 

Den „tonlosen Ton“ verrät unsere Stimme

Dem indischen Musiker und Atomwissenschaftler Vemu Mukunda verdanken wir die Entdeckung, dass unsere menschliche Stimme ein solches „Zünglein an der Waage“ ist, da die Stimme ständig darauf bedacht ist, mit ihren Frequenzen die bestehenden Überschüsse und Defizite im klingenden Komplex der menschlichen Persönlichkeit (lat. personare = hindurchklingen) auszugleichen. Hinter jenem Frequenzspektrum, das unsere Stimme aufweist, lässt sich der diesem individuellen Spektrum zu Grunde liegende Ton herauslesen: Unser persönlicher Grundton! Unschätzbar ist es, ihn zu kennen, denn ihm wohnt jener „Ruhepol“ inne, den wir im schwingenden Auf und Ab unseres Lebens so sehr ersehnen und in den wir uns einem Instrument gleich „einstimmen“ können, indem wir ihn mittels unserer Stimme tönen und so aktiv ins Wirken bringen. Dann bleibt er nicht mehr länger ein „tonloser Ton“. Auch die Sufis haben dieses Geheimnis entdeckt, denn Hazrat Inayat Khan sagt: „Ein Mensch, der den Grundton seiner Stimme gefunden hat, hat auch den Grundton, den Schlüssel zu seinem Leben gefunden.“  

Dem Universum lauschen

Was die Wirkungsweise des Tons anbelangt, so ist für uns vieles noch vollkommen unvorstellbar! Hätten Sie sich jemals vorstellen können, dass wir einen Ton hören können, dessen Ursache 1,3 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt liegt? Genau das ist jetzt aber vor kurzem erst geschehen! Sicherlich erinnern Sie sich an die bahnbrechende Meldung am 11. Februar dieses Jahres, dass erstmalig die Existenz von Gravitationswellen nachgewiesen werden konnte, von denen Albert Einstein lediglich behauptet hatte, dass es sie gibt. Zwei große Massen in Form von zwei Schwarzen Löchern prallten im Universum vor ca. 1,3 Milliarden Jahren aufeinander. Dieser gewaltige Knall erzeugte eine so gigantische Bewegung in Form einer Druckwelle in den Tiefen des Universums, dass wir diese jetzt hier noch wahrnehmen konnten in der Form, daß ein Laserstrahl ein unendlich winziges Zittern registrierte. Diese Bewegung wurde auf einem Bildschirm in Form einer Welle sichtbar und die Forscher konnten sie in den für unser Ohr hörbaren Bereich oktavieren.

Kurz vor Bekanntgabe des Gelingens dieser Sensation sagte der am Albert-Einstein-Institut in Hannover tätige Physiker Harald Lück während eines Interviews in der ARD: „Wir kennen das Universum von Teleskopen, wir haben ein Bild vom Universum, aber die Gravitationswellen würden uns gewissermaßen den Klang des Universums offenbaren. Wir könnten das Universum belauschen, und zwar auch die dunkle Seite: Die Objekte, die kein Licht imitieren, so wie Schwarze Löcher oder Paare von Schwarzen Löchern.“ Für mich ergibt sich hier ebenfalls eine „verborgene Harmonie“ durch die Vereinigung zweier Gegensätze: Die lichtreflektierenden Körper des Universum sind für uns schon lange sichtbar, und die Dunkelheit des Universums wird ab sofort hörbar!

Ich bin gespannt, ob und wann auch die Wissenschaft es nun wagt konkret zu benennen, was sich aus diesem bahnbrechenden Forschungsergebnis u.a. folgern lässt: Daß wir mit Ton Einfluß auf jegliche Materie nehmen können, denn der Ton hat ordnende Wirkung. Daß die Wellen von Licht und Ton niemals vergehen. Daß alles, was wir hier und jetzt sprechen, singen und denken durch entsprechend empfindliche Messgeräte vielleicht noch nach Jahrtausenden irgendwo nachweisbar sein wird. Daß alles im Universum lebt und miteinander in einer unsichtbaren „verborgenen Harmonie“ verbunden ist – Nada Brahma, die Welt ist Klang! 

Einer der Vorgänger Albert Einsteins war der Englischer Mathematiker, Physiker und Astronom Isaak Newton (1643-1727). Er gilt als Begründer der klassischen theoretischen Physik und als Entdecker der Gravitationsgesetze. Am Ende seines Lebens kam er zu dem Schluß: „Die wunderbare Einrichtung und Harmonie des Weltalls kann nur nach dem Plan eines allwissenden und allmächtigen Wesens zustande gekommen sein. Das ist und bleibt meine letzte und höchste Erkenntnis.“ 

(Erschienen in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“, Ausgabe März 2016 als LEITARTIKEL zum Schwerpunktthema „Die verborgene Harmonie“)Lebens-t-räume März 2016 klein

 



 

Die klingenden Körper des Menschen

Ernährung und Gesundheit aus tontherapeutischer Sicht

von Antje Nagula

Möglicherweise fragen Sie sich, was denn eine Tontherapeutin zum Thema „Ernährung und Gesundheit“ beizutragen hat, weil das mit Musik, Schwingung, Klang und Ton doch scheinbar nur wenig zu tun hat? Gesundheit mag ja gerade noch nachvollziehbar sein, aber Ernährung? Und auch wenn Singen zu 100% vegan ist: Einen knurrenden Magen füllt es in der Regel nun gerade nicht. Doch selbst meine Oma in ihrer unendlichen, bäuerlichen Weisheit pflegte schon zu zitieren: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“ und neuere Sprachforschungen geben ihr insofern Recht, dass „unser täglich Brot“ im „Vater unser“ wohl auch eher als „Nahrung in Verbindung mit Einsicht und Erkenntnis“ zu verstehen ist.  

Schauen wir uns also einmal an, was die Nada Brahma Tontherapie, eine indische Tonlehre deren Wurzeln in den ältesten Schriften der Menschheit, den Veden, liegen, unter ‚Gesundheit‘ überhaupt versteht. Für uns Nada Brahma Tontherapeuten besteht gemäß der indischen Samkhya-Philosophie jeder Mensch aus 5 Körpern, die untereinander in engster Verbindung stehen und miteinander ständig interagieren. Für jeden dieser 5 Körper definieren wir den Begriff ‚Gesundheit‘ anders und der Gesundheitszustand von jedem der Körper greift zahnradartig in die anderen über. Jeder der 5 Körper kann Störungen/Erkrankungen aufweisen, die dann aber auch Auswirkungen auf die anderen Körper haben können. Genauso kann im Umkehrschluss die Heilung eines Körpers sich auf die Heilung der anderen Körper auswirken. 

  1. Die physische Gesundheit (Annamayakosha – die materielle Hülle) Damit ist unser physischer, grobstofflicher Körper gemeint und er ist überwiegend das, was unsere Schulmedizin behandelt und womit wir Gesundheit in der Regel definieren. Den physischen Körper kann jeder normale Mensch sehen, er ist wissenschaftlich anerkannte Materie und wird als solche untersucht und behandelt. Um ihn und seine reibungslose Funktion zu erhalten, müssen wir essen und trinken. Möglichst hochwertige, abwechslungsreiche und ihm zuträgliche Lebensmittel. Bücher zur Ernährung dieses Körpers füllen ganze Bibliotheken! In den Upanishaden (Teil der Veden) wird unser physischer Körper mit einem Wagen verglichen, einem Gefährt für unser irdisches Leben. Dieser Wagen ist zweifellos ein technisches Wunderwerk. Durch die Nahrungsaufnahme wird er geölt, geputzt und gepflegt, um ihn möglichst lange funktionsfähig zu erhalten – was uns allen täglich ein großes Anliegen ist!
  2. Die energetische Gesundheit (Pranamayakosha – die Hülle der Lebensenergie) Sie gibt Ausdruck über den Zustand unserer Lebenskraft und unserer Lust am Leben. Steht z.B. eine heiße, dampfende, wohlriechende Suppe vor uns, so weckt diese an einem kalten Tag unsere Lebensgeister schon, bevor wir den ersten Löffel überhaupt probiert haben. Unser Wagen könnte nicht fahren ohne die Energie feuriger Rosse, die ihn ziehen – je kraftloser diese Tiere, desto schleppender unsere Fahrt! Und selbst der schönste auf Hochglanz gewienerte Wagen macht angesichts lustloser Rosse keinen guten Eindruck! Obwohl dieser Körper bereits zu den feinstofflichen Hüllen zählt, können die meisten von uns im direkten Kontakt gut wahrnehmen, ob ein Gegenüber gerade über viel oder wenig Lebenskraft und -lust verfügt. Dieser Körper wird genährt durch den sinnlichen Genuss am Essen und die Werbung hat diesen entscheidenden Einfluss auf unsere Ernährung bereits erkannt und wirbt für bestimmte Produkte als „Genießen mit allen Sinnen!“. Welche Lust können wir empfinden, das Geräusch zu hören, wenn wir in ein knuspriges Baguette beißen, den zarten Schmelz von Nougat im Mund fühlen, unsere Augen appetitlich angerichtetes Essen sehen, köstliche Düfte uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen und wir die Augen verdrehen, weil es so gut schmeckt! Denn seien wir ganz ehrlich: selbst der gesündeste Smoothie bringt uns nicht wirklich in Schwung, wenn er scheußlich schmeckt, gräulich aussieht und komisch riecht!
  3. Die emotionale Gesundheit (Manomayakosha – die Hülle des Gemütes) In diesem Körper sitzen unsere Gefühle und er zeigt die Beschaffenheit unseres Gemüts. Selbstverständlich möchten wir uns alle unablässig glücklich fühlen und auch diesen Knopf drückt die Werbung geschickt, indem sie uns z.B. das Glück einer heilen Familie durch den Genuss einer bestimmten Frühstücksmargarine suggeriert. Aber in Wirklichkeit haben die wenigsten Menschen ihre emotionale Gesundheit im Griff, denn wir sind dazu erzogen, vernünftig und möglichst emotionsfrei in allen Lebenslagen aufzutreten. Vor allem negative Gefühle wie z.B. Eifersucht, Gier oder Neid sind es, die wir nach Möglichkeit nicht zeigen, ja uns sogar schämen, diese überhaupt zu empfinden. Ernährungstechnisch ist der Emotionalkörper eng mit dem Essverhalten verknüpft: Vor Kummer können wir entweder gar nichts essen oder fressen den Kummer buchstäblich in uns hinein mit einem Übermass an Nahrung. Hilft das nicht, versuchen wir die Gefühle mit dem Genuss von Alkohol zu betäuben um nichts mehr fühlen zu müssen. Doch ein betrunkener Wagenlenker, der weder für Wagen noch für Rosse noch ein Gefühl übrig hat, ist extrem gefährlich unterwegs! Gibt es überhaupt Nahrungsmittel, die unseren Emotionalkörper positiv beeinflussen können? Ich denke, ja! Obwohl diese zunehmend seltener verfügbar werden. Glücklich machende Nahrung hängt nämlich stark davon ab, in welcher emotionalen Verfassung der Koch bei der Zubereitung war! Ein/e Hausfrau/Hausmann wird alle Liebe und Fürsorge in die Zubereitung der Nahrung für die Familie stecken. Und je nach Grad deren Feinfühligkeit werden die Angehörigen diese Liebe spüren und können damit ihren Emotionalkörper bewusst nähren. Wir hingegen nehmen immer öfter maschinell zubereitete, in Großküchen gekochte oder für uns gar schnell und lieblos zubereitete Gerichte zu uns. Und da viele von uns immer feinfühliger werden, befriedigt uns diese Nahrung nicht mehr, obwohl sie appetitlich angerichtet, sättigend und voller Vitamine und Nährstoffe ist. 
  4. Die mentale Gesundheit (Vijnanamayakosha – die Hülle der Erkenntnisfähigkeit) Diese Körperhülle ist der Sitz all unserer Überzeugungen, Gedanken, Glaubensmuster und Ansichten. Von hoher Feinstofflichkeit geprägt, bewegen wir uns hier oft im Bereich des Unbewussten und bereits in frühester Kindheit Anerzogenen. So kommt es, dass persönliche Überzeugungen und Realität oftmals weit auseinander klaffen: schlanke, wohlgeformte Frauen halten sich für zu fett, fähige Spezialisten zweifeln an ihrer Kompetenz und talentfreie Sänger meinen zum Superstar geboren zu sein. In einer Gesellschaft, die ihren Wert in Geld und vergänglichem Besitz statt am Wohlergehen aller Menschen bemisst, steht es mit der mentalen Gesundheit kollektiv nicht gerade zum Besten. Was unsere Ernährung betrifft, so beinhaltet mentale Gesundheit im positiven Sinn eine höhere Sicht auf unsere Lebensmittel: Werden Erzeuger fair für ihre Produkte entlohnt? Werden Hühner artgerecht gehalten? Ist die Nahrung frei von Schadstoffen? Hat diese Tomate jemals Sonnenlicht gesehen? Wird Leben dafür vernichtet? Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, bei denen ein radikales Umdenken in diesem Bereich stattfindet, wovon der grandiose Siegeszug der Bio-Lebensmittel und zunehmend des Vegetarismus zeugt. Denn von der mentalen Gesundheit hängt ab, ob wir uns auf dem richtigen Kurs halten können und unseren Wagen sicher ins Ziel bringen oder direkt auf einen Abgrund zusteuern. 
  5. Die spirituelle Gesundheit (Anandamayakosha – die Hülle der Glückseligkeit) Sie ist die feinstofflichste und vor allem in Bezug auf unsere Ernährung die bisher am meisten unterschätzte all unserer Körperhüllen. In ihr sitzt unser Glaube und unser Vertrauen in eine göttliche Kraft, an die wir uns im Sinne von Religio = Rückverbindung anschließen können und die uns behütet und leitet. Dabei ist vollkommen unwichtig, welchen Namen wir dieser Kraft geben – Hauptsache, wir haben sie für uns selbst erkannt und definiert. Ein spirituell gesunder Wagenlenker wird in jeder Lebenslage die Zügel führen in dem unbedingten Vertrauen darauf, dass er in Rücksprache mit seiner höheren Kraft zweifelsfrei sicher das Ziel erreichen wird. Was unsere Ernährung betrifft, so war es noch zu Zeiten unserer Großmütter Brauch, laut vor jedem Essen zu beten, für die Nahrung zu danken und sie zu segnen. Damit wurde die Mahlzeit gewandelt zu göttlicher Speise und konnte so auch diesen unserer 5 Körper nähren. Wenn Sie das heute in einer öffentlichen Kantine tun, ernten sie bestenfalls verständnisloses Kopfschütteln und werden als Spinner betrachtet. Dabei beweisen z.B. die Wasserforschungen des japanischen Wissenschaftlers Masaru Emoto, dass ein in vollem Glauben praktizierter Segen und Gebet die kristalline Struktur des Wassers in kürzester Zeit positiv zu verändern vermag. Und Wasser ist ein Hauptbestandteil unserer Nahrung!

Doch warum beschäftigen sich nun Nada Brahma Tontherapeuten so intensiv mit den verschiedenen Körperhüllen des Menschen? Diese alle stehen untereinander in engster Verbindung durch feinstoffliche Energiekanäle, die sich durch alle Körper hindurch ziehen. Ton fließt innerhalb dieser Energiekanäle, welche die indische Tonlehre als ‚Nadis‘ bezeichnet. Und somit ist der Ton das Medium, welches alle diese Körper erreichen und auf ihre Beschaffenheit Einfluss nehmen kann. So können Störungen auch innerhalb der feinstofflichen Körper und ihrer uns unbewussten Abläufe durch Ton schon aufgelöst werden, bevor sich diese Störungen als Krankheit am physischen Körper zeigen. Genau so arbeitet übrigens unsere Stimme: Sie bedient sich stets bestimmter Frequenzen, die unser feinstoffliches Energiesystem ausgleichen. So heilt sich unser Körper selbst schon unzählige Male während wir sprechen, ohne dass wir es meist sogar bemerken. Tritt die Störung jedoch massiv und immer wieder auf, kann das feine Medium des Tons Schädigungen innerhalb der Körper nicht mehr verhindern – und Krankheit nimmt ihren Lauf. 

Je genauer wir die Frequenzverhältnisse dieses klingenden Systems Mensch auf Basis seines individuellen Grundtons erforschen, desto gezielter können wir mit Tönen bewusst auf Störungen innerhalb unserer Körper einwirken und so die natürliche Arbeit unserer Stimme unterstützen und verstärken. Dafür ist es jedoch notwendig, rechtzeitig den persönlichen Grundton zu ermitteln und zu verifizieren, wobei ein geübter Sonologe helfen kann. Denn wenn sich erst einmal eine Krankheit in lebensbedrohlicher oder stark schmerzhafter Weise im physischen Körper manifestiert hat, ist eine Grundtonermittlung über die Stimme nach bisherigem Wissensstand sonologischer Forschungen kaum noch möglich. Der Wagen befindet sich dann in einem Zustand, den der TÜV als fahruntauglich und verkehrsgefährdend einstufen würde und seinem Wagenlenker ist meist die Lust zum Singen und Tönen schon längst vergangen. Dabei sollte er es gerade dann besonders intensiv tun, denn: Wunder im Bereich der Töne gibt es immer wieder!

(Erschienen in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“, Ausgabe Februar 2016 zum Schwerpunktthema „Ernährung und Gesundheit“)

Die Essenz des einen Tons

In Armenien erzählt man sich folgende kleine Geschichte:

„Es war einmal ein Musiker, der war ein großer Virtuose auf dem Cello. Die gesamte Literatur für dieses Instrument hatte er gespielt und Konzerte auf der ganzen Welt gegeben. Mit zunehmendem Alter jedoch zog er sich immer mehr aufs Land zurück und spielte nur noch wenig auf seinem Cello. Wenn er aber spielte, so erklang das Wenige in immer größerer Vollendung. Bis er eines Tages nur noch einen Ton spielte! Vollkommen glücklich und mit einer Art innerer Verzückung spielte er in vollkommener Perfektion immer wieder nur diesen einen Ton! Seine Frau hatte dafür nur wenig Verständnis, war sie doch mit einem berühmten Cello-Virtuosen verheiratet. Eines Tages kam ein Orchester in die kleine Stadt und gab ein Konzert. Da er sie nicht begleiten wollte, besuchte es die Frau alleine. Nach Hause zurückgekehrt, berichtete sie begeistert ihrem Gatten „Da waren viele Cellisten dabei und sie spielten viele Töne! Immer wieder rauf und runter! Du aber spielst nur noch diesen einen Ton!“ Der Mann jedoch lächelte still in sich hinein und erwiderte „Ja, meine Liebe! Sie suchen noch! Ich hingegen habe gefunden!“ 

Und Sie? Suchen Sie noch, oder können Sie auch von sich sagen „Ich habe gefunden!“? 

Gefunden, ja was denn eigentlich?! Es kann doch unmöglich für einen Cello-Virtuosen erfüllend sein, nur noch einen einzigen Ton zu spielen! Und wie muss dieser eine Ton erst seiner Umgebung auf die Nerven gehen! Warum unterrichtet der Mann denn keine Schüler oder erfreut immer mehr Menschen mit seiner Kunst? Braucht ein Künstler denn jemals keinen Applaus mehr? Das sind so die Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, wenn man diese kleine Geschichte liest und sich das Geschehen bildlich vorstellt. Ob sie jemals tatsächlich passiert ist – wir wissen es nicht! 

Wir dürfen uns aber jetzt einmal in die Rolle dieses Mannes versetzen. Schließlich sind wir alle Virtuosen im großen Spiel des des Lebens! Wir beherrschen alle Spielarten auf der Klaviatur unserer Gesellschaft, haben unendlich viel schon gesehen und erlebt! Und dann stellen Sie sich einmal vor, sie hätten für ihre Lebensleistung auch unendlich viel Anerkennung schon gefunden! Ja, leider fehlt den meisten Menschen diese Anerkennung im Außen. Aber stellen Sie sich jetzt einfach einmal vor, Sie hätten davon genug bekommen, wären mit Ehrungen und Preisen für das, was Sie tun, überhäuft worden! Alle Welt wird nicht müde, wenn Sie immer wieder Ihr Programm ablaufen lassen und Sie hätten alles erreicht, was es an Anerkennung dafür gäbe: Den Oscar, den Grammy, den Bambi für Ihr Lebenswerk! Können Sie das Glück fühlen, das Sie bei einer solchen öffentlichen Ehrung empfinden würden? Aber die Zeit bleibt nicht auf diesem Glücksmoment stehen. Stellen Sie sich also vor, Sie hätten ALLES erreicht! Und plötzlich tun Sie für einen so erfolgsverwöhnten Star etwas vollkommen Ungewöhnliches: Sie ziehen sich des Erfolgs überdrüssig auf ihr Landgut zurück, schreiben Ihre Memoiren und verbringen viel Zeit mit sich selbst! Was wird übrig bleiben von Ihrem Leben? Von all Ihren großen Erfolgen? Neue Generationen werden kommen und die Erinnerung an Sie, an Ihr Lebenswerk und die Ehrungen wird langsam verblassen. Wohin geht diese, Ihre Lebensreise? Was ist eigentlich wirklich wichtig? Was bleibt? Und Sie stellen staunend fest: Erst dann, wenn wir die laute Welt einmal zum Schweigen gebracht haben und unser Ego befriedigt ruht, dann schält sich so langsam die Essenz heraus – das Selbst! Unser eigener Ton, eingebunden in eine Welt voller Töne, die alle ihre Funktion innerhalb der Musik des Weltgeschehens haben. Es ist nicht länger notwendig, auf der Klaviatur der Möglichkeiten alles auszuloten und stets in jeder Disziplin zu brillieren. Es ist nicht mehr nötig, die Töne „rauf und runter zu spielen“, nicht mehr nötig, den Ansprüchen der Welt an uns gerecht zu werden, um anerkannt und geliebt zu werden: Wenn ein Mensch SICH SELBST gefunden hat, SICH SELBST alle nur erdenkliche Liebe und Anerkennung zu geben vermag, seine wunderbare Vollkommenheit in seinem Herzen anerkennt – dann hat er die Essenz allen Lebens gefunden! Und diese Essenz wird niemals vergehen, wird niemals auch nur ein Quäntchen äußere Anerkennung brauchen, wird niemals nötig haben die Ansprüche anderer zu erfüllen! Diese Essenz ist Glückseligkeit, ist Vollkommenheit, ist Ekstase, ist Licht von SEINEM Licht, ist pure Liebe: Liebe zu SICH SELBST, Liebe zum eigenen Sein! Und dann erklingt unser Ton in seiner ganzen Wahrhaftigkeit und seiner eigenen, reinen Schönheit. Dann jubelt jeder einzelne Atemzug „So Ham“ – ES ist ICH, ICH bin ES! Dann verlieren die vielen anderen Töne im Außen ihre Faszination, wenn dieser eine, reine, eigene Ton gefunden ist! 

Eine schöne Vision, nicht wahr? Und sie ist gar nicht so unerreichbar fern, wie es vielleicht scheinen mag. Hören Sie auf zu suchen und beginnen Sie stattdessen, zu lauschen! Dann werden Sie auch finden! Und zwar die Essenz des einen, reinen Tons: Sich selbst! 

Antje Nagula

(Erschienen in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“, Ausgabe Januar 2016 zum Schwerpunktthema „Essenz“)

Die Kraft kehrt zurück in die Linien des Lichts

„Wenn Du das Geheimnis des Universums ergründen willst, 

denke in Begriffen von Energie, Frequenz und Vibration“

Nikola Tesla

Es gibt im Leben von uns allen irgendwann diese Zeiten, in denen Umbruch stattfindet. Wir werden aus unserer gewohnten Sicherheit herausgerissen, geradezu aus der Bahn geworfen und sind auf einmal gezwungen, den Weg zu verlassen, den wir bisher gegangen sind. Rückblickend liegt genau so eine Situation hinter mir. Plötzlich stand ich an einem Punkt, an dem sich vor mir ein Feld von ungewohnter Freiheit bei gleichzeitig aber mangelnder Sicherheit öffnete. Ich hätte sofort losstürmen müssen, um meine angstgebeutelte Existenz auf neue und sichere Füße zu stellen – stattdessen wurde ich ganz ruhig und dachte nach. 

Heißt es nicht immer so schön „Gibt das Leben Dir eine Zitrone – mach Limonade daraus!“? Und so beschloss ich, mein Bewusstsein eben gerade nicht sofort auf Existenzsicherung auszurichten, sondern jenes Feld von völliger Freiheit einmal wagemutig zu betreten – was bisher noch niemals in diesem Maße in meinem Leben möglich gewesen war. Kaum hatte ich diesen Entschluss gefasst, bekam ich durch eine glückliche Fügung plötzlich auch die notwendigen Mittel dazu. Und so(er)füllte ich mir einen großen Lebens(t)raum: Ich ging auf Reisen um der Musik und den Klängen der Erde lauschen zu dürfen. 

Das Neue Jahr begrüßte ich in Kalifornien, Los Angeles, Hollywood. Das Rauschen des Pazifiks kündete von geheimnisvollen Linien des Lichtes, die es für mich zu öffnen, neu zu verbinden und zu heilen galt. Aber was sind „Linien des Lichtes“? Um darauf Antwort zu erhalten, flog ich im Frühling mit einer spirituellen Reisegruppe nach Peru und Bolivien „Auf den Energielinien der Schlange des Lichts“. Und ich ließ Töne fließen an alten Knotenpunkten der Erde und spürte dadurch eine tiefe Verbindung zu einem Netz feinster Lichtlinien in meinem Inneren. Mir wurde klar, was beim Singen in mir selbst tatsächlich geschah, was ich schon oft staunend wahrgenommen hatte, was ich bisher nur nie zu benennen wusste. 

Laut den Veden, den ältesten Schriften Indiens, wird unser Körper durchzogen von einem Netz feinstofflichster Energiekanäle, den sogenannten „Nadis“. In diesen Nadis fließt Ton, so wie Autos im Autobahntunnel fahren. Doch wie im Großen, so auch im Kleinen: Wenn unser Körper von Lichtlinien durchzogen ist, dann muss auch die Erde als ein lebender Organismus davon erfüllt sein! Und als wollte mir das Universum dafür einen Beweis liefern, brachen am 25. April, dem Tag des großen Erdbebens in Nepal, am Untersberg in der Nähe von Salzburg riesige Felsmassen ab und färbten den darunter liegenden Bach blutrot. In der Tat soll es zwischen dem Mount Everest, der „Mutter des Universums“ als höchstem Berg der Erde und dem Untersberg, den der Dalai Lama als Herzchakra unsres Planeten bezeichnete, eine starke energetische Verbindung geben. 

Mit diesen Gedanken trug ich im Frühsommer das Licht der Anden ans andere Ende der Welt, nach Sibirien. Dort am Baikalsee, dem tiefsten und ältesten See der Erde, schlummerten uralte Lichtlinien. Diese galt es, neu zum Leben zu erwecken. Ich sang die Melodie des Baikal, und meine Töne lösten alte Schmerzlinien auf, die in diesem Land und gleichzeitig aber auch in mir verankert waren. 

Der Spätsommer führte mich dann nach Kashmir, wo mir ein unendlich weiches und liebevolles Licht entgegenstrahlte: Das Licht von Jesus Christus, der in diesem Land lange gewirkt hatte, was uns die Bibel jedoch verschwieg. In den Seerosenfeldern des Dal-Sees und des Manasbal-Sees vernahm ich jenen reinen und feinen Urklang der Christusliebe und fügte ihn meinem eigenen klingenden Lichtnetz hinzu. Und weil Töne ordnende Wirkung haben, sortierten sich die Linien des Lichtes auch neu in mir selbst, und verlangten am Ende sich zu verbinden im heiligen Land Kemet. Deshalb reiste ich im Herbst nach Ägypten, in das nubische Land der Göttin Isis. Unter dem Nasser-Stausee verborgen lagen alte Lichtenergien, die es neu zu verknüpfen galt mit den Tempeln, die man ans rettende Ufer versetzt hatte. Doch wenn alte Lichtlinien, die bisher blockiert oder erstarrt waren, wieder neu zu fließen beginnen, ist dies auch im Außen sichtbar. Neuorientierung ist das, was daraus resultiert. 

Womit wir beim „Ausblick“ angekommen wären. Denn was wir an Gewalt und Terror auf unserer Erde gerade erleben, ist nur eine Form des letzten Aufbäumens der Dunkelheit. Es werden sich immer mehr Menschen ihres Lichts bewusst werden und weil alles miteinander verbunden ist, entfaltet sich dadurch auch neue Kraft in den Lichtlinien der Erde. Wir alle dürfen zugleich Zuschauer und Akteure sein im größten Bewusstseinswandel, der auf Erden jemals stattgefunden hat. Und je schneller wir uns ganz individuell dieser Aufgabe stellen, desto schneller werden wir diesen Wandel herbeiführen. Die Begrenzungen unseres logischen Verstandes können uns dabei nicht mehr dienlich sein: 

Wir müssen unseren Geist weiten und größer Denken, damit Dinge geschehen können, die unser Verstand niemals für möglich hielt. Ein bisschen so, wie ich in diesem Jahr die grenzenlose Freiheit wählte, statt wie gewohnt auf Nummer sicher zu gehen. Leben bedeutet Schwingung und Schwingung ist Bewegung!. Es ist so wichtig, uns in Bewegung zu setzen und vom Zuschauer zum Akteur zu werden: 

So viele wertvolle Erkenntnisse warten darauf, von uns auf unserem Weg entdeckt zu werden! Durch meine tiefe Verbindung, die ich in diesem Jahr zu den Lichtlinien der Erde aufgenommen habe, weiß ich jetzt, dass es als nächstes meine Aufgabe sein wird, durch Ton und Klang nicht mehr nur mein Publikum zu erfreuen, sondern diese Kraft in mir dazu zu nutzen, die Lichtlinien in den Menschen neu zu verbinden, zum Fließen zu bringen und sie auf diese Weise heil werden zu lassen. 

Mögen wir künftig alle den Mut finden, unsere ureigensten, lichtvollen Wege zu gehen – auch wenn uns der Wind des Wandels gewaltig um die Ohren weht!

Antje Nagula

(Erschienen in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“, Ausgabe Dezember 2015 zum ‚Schwerpunktthema „Rückblick und Ausblick“)

Finde die Quelle der Kraft in Dir!

Warum glauben so viele Menschen, dass sie selbst nicht singen könnten? Zum einen, weil ihre stimmlichen Möglichkeiten meist wirklich nicht dazu ausreichen um in unserer perfektionierten Welt als „Voice of Germany“ entdeckt zu werden. Aber zum anderen sicher auch, weil sie mangels entsprechender Praxis es oft gar nicht mehr gewohnt sind zu singen, und es nahezu „verlernt“ haben. Dazu kommt, dass „Vorsingen“ früher in der Schule benotet wurde und sich daraus oft traumatisierende Situationen ergaben. Gesellschaftlich wurden wir schon lange nicht mehr darin gefördert, als ein klingendes Individuum hörbar zu werden. Die eigene Stimme zu erheben, im gesungenen Ton die wahre Persönlichkeit (lat. „personare“ = hindurchklingen) sichtbar werden zu lassen, sich singend auch einmal in die Erfahrung unbekannter, höherer und tieferer Frequenzen einzulassen, beim Singen aufsteigende Gefühle zuzulassen – all das erfordert heutzutage ganz schön viel Mut und die Bereitschaft, eigene Möglichkeiten und Grenzen auszuloten.

Wir leben in einer Gesellschaft, die es vorzieht, Gefühle lieber nicht zu zeigen und in unserer von Wirtschaft und Handel geprägten Welt am besten auch gar keine zu haben. Im gleichen Maße wie wir verlernt haben, aus dem Herzen heraus zu singen, haben wir verlernt unsere Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Wir sind förmlich abgeschnitten von uns selbst, verstummen, passen uns an, spielen das Spiel mit. Und dabei verlieren wir mehr und mehr an Kraft, bis wir kaum noch dazu in der Lage sind, aus diesem Teufelskreis auszusteigen. Dahinter steckt ein System. Ein System, das versucht, den Einzelnen klein zu halten, ein System das verhindern möchte, dass der Mensch sich seiner wahren Größe und Einzigartigkeit bewusst wird. 

Es wird Zeit, dass wir in unserer Gesellschaft einen Wertewandel herbeiführen. Und zwar heraus aus dem Joch von „Diene der Macht und dem Reichtum!“ zurück zu dem bereits in der Antike geltenden Lebensmotto „Erkenne Dich selbst!“ Wir könnten z. B. damit anfangen, uns ab und an aus dem ständigen Gedudel von Radio, Fernsehen und Internet auszuklinken! Diese permanente Geräuschkulisse um uns herum verhindert, dass wir uns in der Stille und der Schwingung des eigenen Tons selbst begegnen können.

Denn der Ton ist ein gigantischer Weg der Selbsterfahrung und dank seiner ordnenden Wirkung ein großer Schlüssel zur Veränderung. Deswegen zählte die Musik neben der Astrologie, Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik und Geometrie auch zu den sieben freien Künsten der Antike, die einem Menschen allesamt zu seiner persönlichen Weiterentwicklung dienten. Indem wir uns selbst, unseren GrundTON mit dem ganzen Potenzial unseres ureigenen Seins entdecken, können wir auch unser Gegenüber in seiner ihm eigenen Kraft, seinen Stärken und Schwächen, seinen ihm eigenen Grundton anerkennen und klingen lassen. So eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten des Zusammenlebens und des gegenseitig in Resonanz gehens. Indem wir den Ton bewusst als ein Mittel der Selbsthilfe und Selbstheilung anwenden, beginnt unsere eigene, innewohnende Energiequelle zu fließen. Und dann müssen wir nicht mehr bei anderen „auftanken“, sondern ermöglichen es uns, ganz aus uns selbst heraus unsere eigene Kraftquelle zu sein.
Klingt zu schön, um wahr zu sein? Probieren Sie es aus! Beginnen Sie damit, ihr eigenes Stimmpotenzial zu erfahren und begeben Sie sich auf die Suche nach Ihrem persönlichen Grundton! Es wäre schön, wenn wir uns dazu bei einem Themenabend „Das Wunder des individuellen Grundtons“ in Königstein begegnen würden.

Antje Nagula

(Erschienen in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“ Ausgabe November 2015)

Das Abenteuer des Bewusstseins

Unter diesem Titel fand ich vor vielen Jahren ein Buch, das mich seitdem immer wieder fasziniert. Es handelte von Leben und Werk des indischen Politikers und Philosophen Sri Aurobindo (1872-1950) und begann mit folgendem Zitat von ihm: 

„Ich werde zu dem, was ich in mir selber sehe. Alles, was das Denken mir andeutet, kann ich tun. Alles, was das Denken mir offenbart, kann ich werden. Das sollte der unerschütterliche Glaube des Menschen an sich selber sein, denn Gott wohnt in ihm.“ Damals hatte ich gerade in intensiver Meditation gelernt, die Stimme des Herzens zu hören und das Denken, den „Mind“, den Verstand auf dem Weg einer Suche nach sich selbst besser zum Schweigen zu bringen. Nun aber offenbarte sich in dieser Aussage Sri Aurobindos die Gedankenebene als mächtiger Verbündeter bei einer Suche nach Gott in sich selbst. Doch Denken ist nicht einfach gleichzusetzen mit Bewusstsein. Was aber ist dann Bewusstsein und wie kann man es begreifen und erfahren? In Osho’s „Book of Wisdom“ findet sich die Aussage „Bewusstsein ist ein eher dynamischer Prozess von verschmelzen und sich vereinigen. Es ist kein statisches Phänomen, sondern ein Fluss. Bewusstsein ist, sein Wesen zu teilen.“ Diese beiden Kernsätze führen letztendlich zu einer gemeinsamen Wurzel: Der Wurzel von Schwingung und Ton. Das Denken ist eines der machtvollsten Werkzeuge, die uns Menschen gegeben wurden. Jeder Gedanke sendet eine feinstoffliche Schwingung aus, die von anderen wahrgenommen werden kann und die sich unweigerlich in Resonanz mit entsprechendem Gleichklang begibt. Unser Denken, wenn wir in der Lage sind es zu beobachten, gibt uns ganz entscheidende Hinweise auf die Beschaffenheit unseres Bewusstseins.   Gedanken kann man sich vorstellen wie Straßen, die uns zum Erkennen unseres Bewusstseins führen. Und genauso beeinflusst das Bewusstsein „im Gegenverkehr“ die Art, wie und was wir denken. Das Bindeglied zwischen diesen beiden Kräften ist Schwingung, ist Klang, ist Ton. Und durch die gezielte Anwendung von Tönen ist es möglich, auf unser Bewusstsein positiv einzuwirken. Klingend teilen wir unser Wesen anderen mit, verbinden uns mit Bewusstseinsebenen, die im Gleichklang mit den unsrigen schwingen. Indem wir singend unser Bewusstsein durch Töne auf eine höhere Oktave anheben, ist es möglich, Blockaden in tieferen Bewusstseinsebenen zu lösen ohne direkt mit ihnen in Verbindung zu treten. Auf diese Weise bewahrheitet sich die Formel, die der große amerikanische Klangforscher Jonathan Goldman vor kurzer Zeit aufstellte, und die in der Nada Brahma Tontherapie von Vemu Mukunda schon lange ihre Anwendung findet: Frequenz+Bewusstsein=Heilung!

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, besuchen Sie einen Vortragsabend oder Workshop zum Thema der Nada Brahma Tontherapie nach Vemu Mukunda. Weitere Informationen finden Sie unter

www.AbwUnMusic.defb.com/abwunmusic 

Antje Nagula ist Dipl.-Sängerin und Produzentin des Musiklabels AbwUnMusic. Neben Ihrer Arbeit als Tontherapeutin gibt sie Konzerte und Seminare und leitet „Nada Brahma Sound Circle“, spirituelle Singkreise zur Verbindung von Licht und Ton. 

(Erschienen in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“, Ausgabe Oktober 2015)