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Mutmacher des Monats April 2022

Mutmacher des Monats April 2022

„Die tägliche Erfahrung lehrt, daß diejenigen, welche viel reisen, an Urteilskraft gewinnen; daß die Gewohnheit, fremde Völker, Sitten und Gebräuche zu beobachten, den Kreis ihrer Ideen erweitert und sie von manchen Vorurteilen befreit.“

François Pierre Guillaume Guizot, franz. Politiker und Schriftsteller (1787 - 1874)

Eine Reise beginnt für mich oft in jenem großartigen Moment, in dem ich im Flugzeug sitze und es sich endlich in Bewegung setzt um auf seinen Platz an der Startbahn zu rollen! Gefolgt von einem der schönsten Momente im Leben überhaupt: Wenn das Flugzeug dann startet, mit Vollgas losrast und die Passagiere sanft in ihre Sitze gedrückt werden - um dann abzuheben, den Boden zu verlassen, über den Dingen zu schweben, zu beobachten wie Menschen, Häuser, Straßen, Autos, Sorgen und Nöte auf Stecknadelkopfgröße zusammen schrumpfen. Oft muss ich dann lächeln und es macht sich jenes Gefühl von Freiheit breit, das der deutsche  Liedermacher Reinhard Mey in dem berühmten Song „Über den Wolken“ so wunderbar beschrieben hat. Reisen ist eines der köstlichsten Dinge überhaupt, die das Leben zu bieten hat. Schließlich ist unser Leben selbst nichts anderes, als eine große Reise von der Geburt bis zum Tod. Reisen - dabei spielt eigentlich das Ziel gar keine so große Rolle. Wichtig allein ist, dass man unterwegs ist, sich aus dem gewohnten Umfeld der eigenen „kleinen Welt“ einmal hinaus bewegt um dort der „großen Welt“ zu begegnen, andere Dinge zu sehen, unbekannte Luft zu atmen und nicht gekannte Speisen zu kosten, fremden Menschen zu begegnen und neue Eindrücke zu sammeln. Nicht umsonst sagt das Sprichwort „Reisen bildet!“ und in der Tat ist es eine der besten Investitionen in sich selbst, auf Reisen zu gehen. Denn mit den neuen Eindrücken, die man unterwegs bekommt, fliegen einem auch neue Gedanken zu, keimen schon längst vergessene Ideen wieder auf, scheint man in den Körper nicht nur frische Luft sondern gleichzeitig auch neue Hoffnung einzuatmen, scheint sich das eigene Innere plötzlich umzusortieren, zu klären und zu ordnen. Ganz zu schweigen von den Erkenntnissen, die man über sich selbst gewinnt, wenn man sich und andere Reisende beobachtet. Welcher Typ des Kofferpackens sind Sie zum Beispiel? Derjenige, der schnell und spontan in den Koffer wirft weil er unterwegs ohnehin alles findet, was er benötigt - oder derjenige, der sorgfältig planend bestens vorbereitet schon Wochen im Voraus mit dem Packen beginnt? Wie fühlen Sie sich auf Reisen? Glücklich und frei voller Vertrauen in das Leben und die Abenteuer, die ihnen begegnen werden - oder ängstlich und besorgt, umgeben von überall lauernden, unbekannten Gefahren, die es erfolgreich zu meistern und zu bestehen gilt? Unbezahlbar sind die Erfahrungen, die man beim Reisen sammelt! Wer einmal den schweißtreibenden Prozess des Reisanbaus in Indonesien mit eigenen Augen sah, der wird fortan jedes Reiskorn mit einer neu gewonnenen Ehrfurcht verzehren und wer einmal die Fürsorge der Bauern erlebte, bis aus einer Pflanze eine duftende Tasse Kaffee wird, der wird, wieder zuhause angekommen, mit Freuden nur noch fair gehandelten Kaffee einkaufen wollen. Nur wer den warmen Süden mit seiner sonnigen Lebensart selbst einmal für eine Zeit erlebt hat, kann nachvollziehen, wie sich die Gastarbeiter in unseren kalten Gefilden fühlen müssen: Durch Reisen wachsen Toleranz und das Verständnis für andere Lebensformen und fremde Kulturen. Nach über zwei Jahren, in denen ein kleiner Virus die Welt still stehen ließ und das Reisen erheblich erschwert hat, wissen wir es nun wieder zu schätzen, wenn wir unsere Koffer packen dürfen um der eigenen Enge unserer Wohnung wieder einmal für eine kleine Weile entfliehen zu dürfen um den Duft der großen, weiten Welt zu atmen und irgendwann jenes köstliche Gefühl zu erleben, nach einer Reise wieder die erste Nacht im eigenen Bett zu schlafen … um in den darauffolgenden Wochen festzustellen, wie bereichernd die Erfahrung des Reisens für uns war - und wie viele, schöne, neue Geschichten wir dann erzählen können! In diesem Sinne: Gute Reise! 

Mutmacher des Monats März 2022

Mutmacher des Monats März 2022

„Friede beginnt damit, daß jeder von uns sich jeden Tag um seinen Körper und seinen Geist kümmert.“

Thich Nhat Hanh, buddh. Mönch, Schriftsteller und Lyriker (1926-2022)

Was nahezu niemand von uns für jemals erneut denkbar gehalten hat, ist Wahrheit geworden: Es ist wieder Krieg in Europa. Was das für uns alle bedeutet - werden wir in den nächsten Monaten und Jahren erleben. Gerade Deutschland lebte den Frieden in Europa seit nun fast 77 Jahren vor. Doch die Welt befindet sich in einem großen Wandel und das bedeutet, dass Altes gehen muss damit Neues entstehen kann. Das gilt für die Ebene von Staaten im Großen ebenso, wie für unser ganz persönliches Leben im Kleinen. Denn „Wie im Großen, so im Kleinen“, so lautet eines der kosmischen Gesetze, das man auch interpretieren könnte mit „Wie im Innen, so im Außen“ oder „Wie Oben, so Unten.“

Es ist richtig - niemand von uns Einzelnen kann auf das Handeln der Großmächte und Staaten Einfluss nehmen. Was wir jedoch können, ist Frieden zu schaffen. Und zwar dort, wo unser eigener Einflussbereich ist: In unseren Familien, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und vor allem - in uns selbst. Ein Mensch, der mit sich selbst in innerem Frieden lebt, ist nicht so schnell zu beeinflussen durch das, was im Außen um ihn herum tobt. Er wird es wahrnehmen und auch mitfühlen, das ja. Aber nicht daran anhaften oder sich zu etwas hinreißen lassen, das ihm nicht entspricht. Wie aber kann man „inneren Frieden“ gewinnen?! 

Dazu möchte ich an dieser Stelle ein paar Hinweise geben. 

Zuerst einmal, indem man sich und die eigene Vergangenheit vollkommen akzeptiert und lernt, jenen zu vergeben, denen wir Schuld zuweisen für das, was uns persönlich widerfahren ist. Es gibt keinen einzigen Menschen, der noch nie Verletzungen und Enttäuschungen erleben musste. Friede in uns kann erst dann entstehen, wenn wir damit abschließen durch Akzeptanz von allem, was gewesen ist, und jegliche Erlebnisse und Erfahrungen als zu unserer Entwicklung gehörend annehmen. 

Als nächstes sollten wir lernen, bewusst im Hier und Jetzt zu leben. So entsetzlich die Gräuel des Krieges in der Welt auch sein mögen: Es hilft dort niemandem, wenn wir uns deshalb hier und jetzt hysterisch und panisch fühlen. Besser wäre es, stark bei sich selbst in der inneren Ruhe und Mitte zu bleiben, um dankbar den Moment zu genießen, in dem wir im Hier und Jetzt unmittelbar inmitten von Ruhe und Sicherheit sind. 

Nach Aussage des großen Weisheitslehrers Thich Nhat Hanh beginnt Frieden damit, dass wir uns aktiv und bewusst jeden Tag um unseren Körper und unseren Geist kümmern sollten. Dazu zählen neben Bewegung und guter Ernährung auch Meditation, Gebet und Stille. Für einen gesunden Geist muss man die Möglichkeit schaffen, auf sich selbst fokussiert zu sein und störende Einflüsse durch die von uns so geliebten Medien regelmäßig auch einmal auszuschalten. In diesen Momenten tauchen dann jene kostbaren Impulse auf, die uns den Weg dahin weisen, wie wir selbst als nächstes aktiv handeln können. 

Ferner sollten wir uns in der Stille dann einmal bewusst machen, was wir wirklich zum Leben brauchen: Vermutlich viel weniger an Gütern, als wir denken. 

Und ein letzter Schlüssel zu innerem Frieden liegt in der Dankbarkeit für all das, was wir bereits haben! Es kann helfen, davon einmal eine Liste anzulegen und sich so direkt den eigenen Reichtum bewusst zu machen - und zwar nicht nur an materiellen Gütern, sondern auch an eigenen Fähigkeiten, Lebensumständen und Erkenntnissen

Frieden ist ein hohes Gut, um das zu bemühen sich lohnt! Denn der Friede, den wir in uns geschaffen haben und den wir leben, den tragen wir auch nach Außen. Und das ist dann wirklich ein aktiver Beitrag zum Frieden in der Welt, den wir auch leisten können!  

Mutmacher des Monats Februar 2022

Mutmacher des Monats Februar 2022

„Die größte Ehre die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.“

Matthias Claudius (1740-1815), dt. Dichter

Vertrauen zählt für mich zu den höchsten Werten eines Menschen überhaupt. Doch dieser Wert verfällt in unserer Gesellschaft mehr und mehr. Menschen fühlen sich mittlerweile schier überall belogen und betrogen: Von Politikern, Wirtschaftsbossen, Kaufleuten, Medien - wie soll man da noch Vertrauen haben, wenn niemand mehr ehrlich ist und die Wahrheit sagt?! Denn Wahrheit ist die Basis von Vertrauen! Und so vertrauen viele Menschen schier nichts und niemandem mehr. Oftmals nicht einmal mehr dem eigenen Partner oder den Kindern oder den Eltern. Misstrauen ist der Wert, den sie leben und so sprechen sie von einem „gesunden Misstrauen“. Aber ist denn ein Leben in Misstrauen wirklich noch lebenswert? Nein. Für mich nicht. Ich kann für mich mit Überzeugung sagen, dass ich eine vertrauenswürdige Person bin, denn ich lebe nach dem Grundsatz „Was Du nicht willst, dass man Dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Und ich will nicht belogen und betrogen werden - und tue es folglich auch selbst anderen gegenüber nicht. 

Jeder Mensch, der mir begegnet, dem unterstelle ich zunächst immer nur das Beste: Nämlich, dass er Vertrauen verdient. Zugegeben - nicht immer hat sich ein Mensch letztendlich als meines Vertrauens würdig erwiesen, sondern hat mich betrogen und getäuscht: Für manche ist es einfach noch immer erstrebenswerter, seine Mitmenschen möglichst erfolgreich zu übervorteilen und über den Tisch zu ziehen. Aber viel öfter haben mir Menschen diesen Vertrauensvorschuß, den ich ihnen entgegen brachte, gedankt und sich mir gegenüber so fair und ehrlich verhalten, dass wir als Freunde voneinander geschieden sind, jederzeit bereit uns erneut zu vertrauen. Natürlich habe ich gelernt aus jenen Situationen, in denen mein Vertrauen mißbraucht wurde: Nämlich, dass der allererste Maßstab des Vertrauens ich selbst bin! Wenn ich spüre, dass jemand nicht ehrlich zu mir ist, dann muss ich meiner eigenen Wahrnehmung mehr vertrauen, als seinen Worten - und mich von diesem Menschen, diesem Geschäft etc. zurückziehen. Auf diese Weise stärke ich mein Selbstvertrauen. Ja, vielleicht werden wir allerorten sogar deshalb so unverschämt belogen und betrogen, damit wir endlich lernen, wieder unserer eigenen Wahrnehmung mehr zu vertrauen, als dem, was uns suggeriert wird! 

Und dann gibt es da noch das sogenannte Urvertrauen oder auch Gottvertrauen: Das Vertrauen in das Leben und seine natürlichen Rhythmen. Wir können fest darauf vertrauen, dass nach jeder dunklen Nacht ein neuer Tag beginnt, dass auf jeden Winter ein Frühling und dann ein Sommer folgt. Wir dürfen darauf vertrauen, dass es das Leben letztendlich gut mit uns meint, auch wenn wir das aus unserer aktuellen Sichtweise heraus zunächst vielleicht nicht erkennen können. Wer Gottvertrauen hat, der hat keine Angst mehr vor Tod und Teufel und der schwankt in schweren Zeiten des Lebens auch nicht wie ein Blatt im Wind. Der sucht nicht mehr Orientierung in der Welt und bei anderen - sondern der findet Stabilität und Antworten in sich selbst! 

Ich wünsche mir, dass der Wert des Vertrauens in unserer Welt wieder fest verankert wird: Dass jeder Mensch sich so ehrlich verhält, dass er vertrauenswürdig für andere ist. Dass wir uns nicht mehr mit vorsichtigem Misstrauen begegnen und unsere Vertrauenswürdigkeit nicht mehr unter Beweis stellen müssen. Dass wir überhaupt wieder in der Lage sind, anderen mit Vertrauen zu begegnen! Und deshalb ist es so wichtig, dass wir alle wieder vertrauen lernen - und diesen Wert als einen der höchsten Werte in unserer Gesellschaft implementieren!

Neue Erfahrungen braucht das Paradies – New Experiences are needed for Paradise

Neue Erfahrungen braucht das Paradies – New Experiences are needed for Paradise

(For English Version please scroll down)

Nachbarschaftshilfe ...

leistet man immer gerne, vor allem wenn die supernette Nachbarin Ilona Selke ist, die internationale Bestsellerautorin und Inhaberin des wunderschönen Shambala Oceanside Resorts hier an der Nordküste Balis! Gestern fragte sie mich überraschend an, ob ich mich heute als Probant für eine Schulung im Waxing zur Verfügung stellen könnte? Die gesamte Spa-Mannschaft bilde sich derzeit in der Disziplin des Enthaarens weiter, denn es hat sich eine große Gruppe von Amerikanerinnen für 4 Wochen angekündigt, die unmöglich so lange mit ein paar nachwachsenden Körperhärchen leben kann! Die Mädchen müssen am lebenden Objekt üben, aber die ganze Verwandtschaft und das Dorf sei schon enthaart und neue Übungsfelder werden dringend gesucht. Hm. Enthaaren … mag ich ja gar nicht … und meine Eitelkeit auf diesem Gebiet endete mit meiner Ehe. Außerdem wird der HERR in seiner unendlichen Weisheit nichts am Körper wachsen lassen, was nicht irgendeinen Sinn erfüllt und damit eine Daseinsberechtigung hat. Aber einerseits ist es für einen guten Zweck – die Mädchen müssen üben: Unser Balinesischer Norden ist spezialisiert auf Wellness und Entspannung für gestresste Touristen und die Spa an der Nordküste sind berühmt für ihren rundum Wohlfühlservice. Und andererseits wäre es vielleicht ja mal eine ganz nette Abwechslung für mich … die Tage, an denen ich mit Rasierklingen selbst Hand an meine Härchen legte, sind schließlich schon Jahrzehnte vorbei und die Qualen der nachwachsenden Stoppelchen längst Geschichte! Das Waxen soll ja auch viel angenehmer sein … Und an Ilona selbst können die Mädchen sicherlich nix mehr üben: Wann immer ich sie treffe, sieht sie einfach beneidenswert perfekt aus – an ihr gibt’s einfach keinen haarigen Wildwuchs!

So werfe ich also alle meine Bedenken über Board, sage kurz entschlossen zu und brause mit meinem Roller frühmorgens los zum Ort des Haarelassens. Schon bei der Begrüßung riecht es zart nach flüssigem Honig und ich sehe, dass die behaarte Probandin vor mir noch nicht ganz fertig ist. Immerhin liegt sie fröhlich kichernd auf der Liege – sie lebt also noch und es scheint nicht ganz so schlimm zu sein, wie befürchtet. Aha, ihre Beine werden gewachst – an Beine hatte ich eigentlich auch gedacht. Lustig geht es zu unter der Schulungsrunde: Zwei Balinesische Trainerinnen aus Ubud weihen drei Spa-Mitarbeiterinnen in die hohe Kunst der Enthaarung zarter Hautpartien ein und ich höre zwischen dem Kichern immer ein verräterisches „Ratsch“ – aber keinen Schrei danach. Das beruhigt mich und ich harre geduldig in einen großen Sarong gewickelt meines Einsatzes. 

Endlich liege ich auch auf der Liege, meine behaarten Beine werden freigelegt und von 5 auf Schönheit spezialisierten Damen kritisch begutachtet. Nur wenige Haare, aber dafür recht lang gewachsen, lautet das fachliche Urteil. Ehe ich mich versehe, ist mein Bein schon mit der weißen, nach Honig duftenden, warmen Masse bestrichen. Ein Stofffetzen wird aufgelegt, sorgfältig angedrückt und dann – Ratsch! Die ersten meiner Härchen kleben an der Honigmasse und werden mir stolz präsentiert. 

Was? Das war alles? Also DAS ist sicherlich sehr viel weniger schmerzhaft, als ich erwartet hatte! Nach und nach werden auf diese Weise beide Beine vorne und hinten von jeglicher Behaarung sorgfältig befreit und ich liege derweil völlig entspannt da … es kitzelt ein wenig, aber das wars. Ich finde mich extrem mutig und bin schon voller Freude, gleich mit glatten Beinen nach Hause zu gehen. Doch ich habe die Enthaarungswut der Damen offenbar etwas unterschätzt, denn kaum sind die Beine haarfrei wird nach neuem Übungsfeld an mir gesucht – und gefunden: Achselbehaarung! Pfui Teufel! Das muss da weg, meinen die Damen einstimmig und schon liegt mein Arm in der richtigen Position und honigduftendes, warmes Wachs wird in meinen Achselhöhlen fachgerecht aufgetragen. Ein kurzes „Ratsch“ – und auch dieser Makel ist beseitigt. Allerdings kann hierbei von „Kitzeln“ nun nicht mehr die Rede sein … das merkt man schon deutlicher! Aber zum Glück – sind die Achselhöhlen ja nur klein und die darin wachsende Behaarung folglich schnell beseitigt. 

Ich bin erleichtert – nicht nur um ein paar Haare. Es scheint vorbei zu sein. Und hat gar nicht so weh getan. Jedenfalls sehr viel weniger, als befürchtet. Allerdings richten sich noch immer 5 Augenpaare erwartungsvoll auf mich … die werden doch nicht etwa … Doch! Sie strahlen mich an und eine verkündet mir honigsüß und verheißungsvoll lächelnd: „And now Brasilian!“ Bevor ich in meiner überraschten Sprachlosigkeit protestieren kann, bin ich schon unterwegs zur Dusche. Oh je! Will ich das wirklich? Andererseits – das letzte Mal ist sicher 30 Jahre her, abenteuerlustig war ich auch schon immer und außerdem – es sieht ja niemand! Ich beruhige mich mit dem Gedanken, dass die Mädchen üben müssen und dass nach einer Geburt und diversen Bandscheibenvorfällen kein Schmerz mich mehr wird überwältigen können. Frisch geduscht liege ich wieder auf der Liege und schon wird mit Interesse freigelegt, was an meinem Körper noch ein paar sanft gelockte Härchen trägt. Fünf interessierte Schönheitspriesterinnen beugen sich fachsimpelnd bezüglich der geeigneten „Ratsch“-Richtung darüber und einigen sich schnell: Honigtopf, warm und zähflüssig, Stoffstreifen drauf – und „Ratsch!!“ Oh Sch…! Das brennt! Für einen Moment bleibt mir die Luft weg und besorgt werde ich freundlich gefragt: „You feel pain?“ („Tut es weh?“) Meine Atmung setzt zum Glück schnell wieder ein und tapfer lächle ich in das besorgte Gesicht über mir: Ich möchte die angehenden Enthaarungskünstlerinnen schließlich nicht entmutigen in ihrem beherzten Kampf gegen den haarigen Wildwuchs am menschlichen Körper! Ernsthaft wird mir erklärt, dass mache Klientinnen in Ubud dabei laut schreiend in die Höhe schießen würden, und bevor diese Erkenntnis noch in mein Gehirn vordringt, macht es schon wieder „Ratsch! Ratsch! Ratsch!“ Scharf ziehe ich die Luft ein während mir panikartig der Schweiß aus allen Poren bricht. Doch bevor ich meine Sprache wiederfinde, werden schon weiße Stoffstreifen triumphierend vor meinen Augen geschwenkt, auf denen am Honigleim die letzten Überreste meines einst so zartlockig-unschuldigen Vlieses kleben! Halleluja! Es ist vollbracht. Aber das war nicht ohne …! 

Da meine ausreißwütigen Enthaarungsdamen keine weiteren Übungsfelder mehr an meinem Körper entdecken können, werde ich ehrenhaft und tapfer entlassen. Sehr kühl und kahl und komisch fühlt sich mein haarloser Körper an und ich tröste mich mit dem Gedanken, dass praktisch alle muslimischen und hinduistischen Frauen diese Prozedur nahezu regelmäßig völlig selbstverständlich über sich ergehen lassen, weil Enthaarung da praktisch zur Kultur gehört. Da werde ich, eine gewohnheitsmäßig fellbedeckte Keltenkriegerin, es ja wohl einmal verschmerzen können, diese Erfahrung mit all diesen Frauen zu teilen. Außerdem – Haare wachsen nach und selbst wenn ich fürchte, dass meine Gangart in den nächsten Tagen einem zum Ziehen bereiten, texanischen Cowboy ähnlicher sein sollte, als einer anmutig schreitenden Sheharazade – was solls! Es war eine neue Erfahrung und erfüllte immerhin einen guten Zweck – die Mädchen mussten üben und wie gesagt: Nachbarschaftshilfe leistet man ja immer gerne!

(Ein Artikel von Antje Nagula)

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Wer sich künftig in Balis Norden fachgerecht enthaaren lassen möchte, der findet dafür ausgebildete Spa-Damen im Shambala Oceanside Retreat Center in Bondalem, Tel: +(62) 362-3428351, Mobil: +(62) 81- 338- 674 895, Mobil innerhalb Balis: 081- 338- 674 895info@baliseminars.com

ENGLISH VERSION

Neighborhood help is always a pleasure, especially when the super-nice neighbor is Ilona Selke, the international bestselling author and owner of the beautiful Shambala Oceanside Resort here on the north coast of Bali! Yesterday she asked me surprisingly if I could volunteer as a probant for a waxing training today?! The entire spa team is currently training in the discipline of depilation, because a large group of Americans has announced that they will be training for 4 weeks, which is impossible to live so long with a few new body hairs! The girls have to practice on the living object, but the whole family and the village is already depilated and new training fields are urgently needed. Hm. Depilation … I do not like at all … and my vanity in this area ended with my marriage. Besides, the Lord in His infinite wisdom will not let anything grow on the body that does not fulfil any purpose and thus has a right to exist. But on the one hand it is for a good cause – the girls have to practice: Our Balinese north is specialized in wellness and relaxation for stressed tourists and the spa on the north coast are famous for their all-round wellness service. And on the other hand it might be a nice change for me … the days when I put my hands on my hair with razor blades have been over for decades and the torments of the growing stubble are history! The waxing is supposed to be much more pleasant … And Ilona herself the girls certainly can’t practice anything anymore: Whenever I meet her, she simply looks enviably perfect – there is simply no hairy wild growth on her!

So I throw all my doubts over board, say yes to it with a little determination and start roaring with my scooter early in the morning to the place where I leave my hair. Already during the greeting it smells tenderly of liquid honey and I see that the hairy test person before me is not yet completely finished. After all, she lies on the couch giggling happily – she is still alive and it doesn’t seem to be quite as bad as I feared. Aha, her legs are waxed – I had actually thought of legs too. It’s funny to be under the training round: Two Balinese trainers from Ubud inaugurate three spa employees in the high art of depilation of delicate skin parts and I always hear a treacherous „ratsch“ between the giggles – but no cry for it. This reassures me and I patiently wait in a large sarong wrapped around my bet.

Finally I lie on the couch, my hairy legs are exposed and critically examined by 5 ladies specialized in beauty. Only a few hairs, but grown long, is the professional judgement. Before I know it, my leg is already coated with the white, honey-scented, warm mass. A piece of cloth is put on, carefully pressed on and then – Ratsch! The first of my hairs stick to the honey mass and are proudly presented to me.

What? That was all? So THIS is certainly much less painful than I expected! Bit by bit both legs are carefully freed from any hair in front and behind and I lie there completely relaxed … it tickles a little, but that’s it. I find myself extremely courageous and am already full of joy, equal with smooth legs to go home. But obviously I have underestimated a little bit the depilatory rage of the ladies, because hardly are the legs hair-free is searched for new training field at me – and found: Armpit hair! Ugh! Devil! The ladies are unanimous that this must go away and my arm is already in the right position and honey-scented warm wax is professionally applied to my armpits. A short „ratsch“ – and also this flaw is eliminated. However, there can be no more talk of „tickle“ … you will notice this more clearly! But luckily – the armpits are only small and the hair growing in them is quickly removed.

I am relieved – not only by a few hairs. It seems to be over. And it didn’t hurt at all. Anyway, much less than feared. However, 5 pairs of eyes are still expectantly directed at me … they won’t be … But … But they do! They shine at me and one announces to me honey-sweet and promisingly smiling: „And now Brasilian!“ Before I can protest in my surprised speechlessness, I am already on my way to the shower. Oh dear! Do I really want that? On the other hand – the last time was probably 30 years ago, I was always adventurous and besides – nobody sees it! I calm down with the thought that the girls have to practice and that after a birth and various slipped discs no pain will be able to overwhelm me anymore.

Freshly showered I lie again on the couch and already it is exposed with interest what still carries a few gently curled hairs on my body. Five interested beauty priestesses bend over and agree quickly: honey pot, warm and viscous, fabric stripes on it – and „Ratsch!“! Oh sh…! It burns! For a moment the air stays away from me and I am worried and friendly asked: „You feel pain?“ Fortunately, my breathing quickly begins again and I smile bravely in the worried face above me: I don’t want to discourage the budding depilatory artists in their courageous fight against the hairy growth on the human body! Seriously I am told that some clients in Ubud would shoot up screaming loudly, and before this knowledge penetrates my brain, it makes „Ratsch! Ratchet! Ratchet!“ I draw in the air sharply while the sweat breaks out of all my pores in panic. But before I find my language again, already white strips of cloth are triumphantly swung in front of my eyes, on which the last remains of my once so tenderly curly innocent fleece stick to the honey glue! Hallelujah! It is done. But that was not without …!

Since my depilatory ladies can’t discover any more training fields on my body, I will be released honorably and bravely. My hairless body feels very cool and bald and funny and I console myself with the thought that practically all Muslim and Hindu women take this procedure almost completely for granted on a regular basis, because depilation is practically part of the culture. There I, a habitually fur-covered Celtic warrior, will be able to get over sharing this experience with all these women. Moreover – hair grows back and even if I fear that my gait in the next days should be more like a Texas cowboy ready to pull than a gracefully striding Sheharazade – what the hell! It was a new experience and at least it served a good purpose – the girls had to practice and as I said: you always like to help your neighbors!

(written by Antje Nagula)

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If you would like to have your hair professionally depilated in the north of Bali in the future, you will find trained spa ladies at the Shambala Oceanside Retreat Center in Bondalem, Tel: +(62) 362-3428351, Mobile: +(62) 81- 338- 674 895, Mobile within Bali: 081- 338- 674 895, info@baliseminars.com

Mutmacher des Monats Januar 2022

Mutmacher des Monats Januar 2022

"Abseits vom Markte und Ruhme begibt sich alles Große: Abseits vom Markte und Ruhme wohnten von je die Erfinder neuer Werte."

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)

Haben Sie sich schon einmal Gedanken über Ihre eigenen Werte gemacht?

Nun, das sollten Sie jedenfalls dringend tun, denn wir befinden uns inmitten eines gewaltigen Wertewandels und die Definition von Werten wird dieses neue Jahr 2022 und unsere Zukunft entscheidend beeinflussen! Aber was sind überhaupt Werte? Denn je nach dem Zusammenhang, in dem wir das Wort „Werte“ verwenden, wird es anders begriffen und erzeugt oft mehr Verwirrung als das, was es bewirken sollte: Nämlich Orientierung und Fokussierung zu geben auf das, was wirklich wichtig ist. Und genau das brauchen wir in einer Welt, die immer unsicherer und verwirrender zu werden scheint - und fragen deshalb gerade jetzt nach Werten. Bisher war einer unserer größten Werte ein gewisser Wohlstand der sich über den Wert von Geld und Besitz definierte. Für unsere Großeltern, die zum Teil zwei Weltkriege überstehen mussten, hatten z.B. Lebensmittel und Nahrung den höchsten Wert, denn „Geld kann man nicht essen“. Und für die gesamte Generation der „68er“ galt der Wert der eigenen Selbstverwirklichung als das Maß aller Dinge - was eben auch die entsprechenden Möglichkeiten und die Freiheit dazu voraussetzte. Für den Wert der Freiheit haben unzählige Menschen gekämpft und ihr Leben gelassen, denn Jahrhunderte lang mussten Menschen in Frondienst und Sklaverei verbringen und auch viele Menschen im Osten Deutschlands werden sich bestimmt noch daran erinnern können, wie das Leben in einer Diktatur mit eingeschränkter Freiheit war … 

Und wo stehen wir jetzt zu Beginn des neuen Jahres mit unseren Wertvorstellungen? Werden die kommenden Generationen den Wert der Gesundheit allen anderen Werten voran stellen? Vielen alten Menschen, die durch Corona von ihren Liebsten einfach abgeschnitten wurden um ihre körperliche Gesundheit zu erhalten, denen hat man jedenfalls keine Freiheit der Wahl gelassen. Also was ist Gesundheit ohne Freiheit der eigenen Entscheidung oder ohne die Möglichkeit der Selbstentfaltung tatsächlich wert?! 

Und dann gibt es da noch die so genannten „Wertegemeinschaften“: Staaten, Unternehmen, Religionen oder Vereine, die ihre Werte in einem geordneten Regelwerk definieren, wie z.B. demokratische Staaten, die sich eine Verfassung gegeben haben. Aber wenn wir mit ansehen müssen, wie diese scheinbar unverrückbaren Pfeiler unserer Demokratie oder unseres Glaubens kurzerhand außer Kraft gesetzt, willkürlich gebeugt oder unterwandert werden, ist dann auf solche festgeschriebenen Werte überhaupt noch Verlass?! 

Je mehr die „alten Werte“ um uns herum brechen, desto wichtiger wird es, uns die eigenen, individuellen Werte bewusst zu machen, für die wir ganz alleine oder auch gemeinsam bereit sind, uns mit aller Kraft einzusetzen bzw. dafür auch Opfer zu bringen. Sollten wir nicht besser einmal ganz neue Wege gehen und ganz neue Werte definieren? Werte wie Achtsamkeit, Bescheidenheit, Empathie, Dankbarkeit, Kreativität, Leidenschaft, Hingabe, Standfestigkeit, Vertrauen, Weisheit, Humor, Unbestechlichkeit, Rücksichtnahme, Unabhängigkeit, Solidarität, Treue, Respekt, Transparenz,  Sorgfalt, Nachhaltigkeit, Mut, Professionalität, Loyalität, Höflichkeit, Freundlichkeit, Idealismus, Großzügigkeit, Güte, Ausgeglichenheit, Begeisterung, Freude, Ehrlichkeit, Ausdauer, Geduld, Toleranz, Würde, Sauberkeit, Phantasie, Hoffnung … es gäbe so viele neue Möglichkeiten! 

Es liegt ganz allein in unserer Hand, wie wir unser Zusammenleben als Menschheit auf diesem Planeten Erde künftig gestalten wollen, denn genau darum geht es jetzt! Und jeder Einzelne kann seinen ganz eigenen Beitrag dazu leisten - mit seinem eigenen Wertebewusstsein!

(Veröffentlicht im Veranstaltungsmagazin "Vitrin", Ausgabe Januar 2022)